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Gerald Raunig Der Autor als Verräter [10_2004] "Verräter zu sein ist schwierig, es ist ein schöpferischer Akt. Es verlangt, dass man seine Identität preisgibt, sein Gesicht verliert. Man muss von der Bildfläche verschwinden, unbekannt werden." 1(Gilles Deleuze/Claire Parnet) Walter Benjamins Aufsatz "Der Autor als Produzent" ist eine Attacke gegen die "linksbürgerliche Intelli-genz" im Deutschland der 1920er und frühen 1930er Jahre. Ihr Hauptangriffspunkt ist neben der Neuen 2Sachlichkeit eine weithin in Vergessenheit geratene Bewegung der 1910er Jahre im deutschsprachigen Raum, in deren kollektivem Namen allerdings ein sehr aktueller Anklang mitschwingt: Als "Aktivismus" bezeichnete sich ein vor allem literarisch und literaturkritisch geprägter Diskurs im Schatten des Expres-3sionismus sowie der darunter firmierende lose Zusammenhang vor allem von Literaten, dem sich für gewisse Abschnitte ihrer Arbeit auch so verschiedene Autoren wie Heinrich Mann, Gustav Landauer, Max Brod, Ernst Bloch zuordneten. Der Kreis um den Publizisten Kurt Hiller entwickelte sich seit 1910, ab 1914 auch konkret unter dem Label "Aktivismus". Während Hiller und sein Kreis heute kaum bekannt sind, konnte sich Benjamin 1934 noch darauf verlassen, dass die Figur Hiller und die dazugehörigen Posi-tionen seinen RezipientInnen noch geläufig waren. Vor allem die wüsten Beschimpfungen und der Spott der Berliner Dadaisten gegen die "Aktivisten" waren um 1920 von einer ...
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